Draußen ist es kalt, nass und dunkel. Die Tage sorgloser Sommerlaune sind ebenso gezählt wie die Festivalsaison. Das Gute daran: ab jetzt schlägt die Stunde wieder für die kleinen und großen Clubkonzerte. Und wenn es draußen dunkel bleibt, wird eben getanzt, bis die Sonne wieder aufgeht.

Bei der achten Ausgabe der „nachtfrequenz17 – Nacht der Jugendkultur“ mit 160 Veranstaltungen wie Dance-Battles, Graffiti-Workshops, Filmscreenings und Skate-Contests durfte Bochum als eine von 74 Städten in ganz NRW nicht fehlen:

Wir vom Musikbüro Bochum e.V. waren am 30.09.2017 mit dabei. Neben Poetry Slam und Old School-Zocken mit Super Mario & Co. an den Konsolen von Insert Coins kamen drei unterschiedliche Bands in die Rotunde. Dennis Kazakis (Hip-Hop-Kollektiv Agora / Kulturell Alternatives Zentrum Herne) führte locker durch den Abend, den Francis Riley & the Floorboarders eröffneten. Trashige Perücken und Tattoo-Ärmel steuerten einer allzu tiefen Verneigung vor Vorbildern wie Van Halen, AC/DC oder Mötley Crüe entgegen. Mit der Musik war es den Oberhausenern aber ernst und bei Songs wie „Raise your arms for Rock’n’Roll“ gingen nicht nur Hände, sondern auch die Vocals von Sänger Matthes hoch. Statt ehrfürchtiger Hommage glamrockten Francis Riley & the Floorboarders die Rotundemauern.

Danach wurde die Gangart mit Youth in Retrospect härter. Die jüngste Band des Abends, im Durchschnitt keine 20 Jahre alt, verortet sich selbst im Alternative und Postpunk, brachte aus Dorsten aber auch ordentlich Metalcore mit. Statt der erwogenen Jazz-Impro gab es als Zugabe dann doch Rage Against the Machines „Killing in the Name“. Darüber freute sich auch Moderator Dennis: „Ewig nicht mehr live gehört, einer meiner absoluten Lieblingssongs und ihr habt ihn nicht versaut!“

In Rage redete sich auch Poetry Slammer und Autor Florian Stein zwischen den Gigs im Foyer. Er dichtete von „Zwanzig zornigen Zentauren“, schilderte ein komplett versautes Leben im Stil einer Sportreportage und wurde auch ein bisschen konsum- und gesellschaftskritisch. Seine zu einem rhythmischen Flow gesteigerten Wortsalven wären fast als Rap-Performance durchgegangen.

Headliner des Abends waren Sprechreiz aus Hattingen. Seit 2012 macht die Band mit indisch-italienischen Wurzeln modernen Deutschrock, der sich auch anspruchsvolle Gitarrensoli und sanftere Nummern traut. In der Rotunde dominierten die schnelleren Stücke wie „Eilig“, softer wurde es gegen Ende mit der Single „Dir gehört mein Herz“. Nur der Titel klingt ein bisschen nach Schlager, der Song selbst ist eine gefühlvolle Ballade, mit der Sprechreiz aktuell auf Platz 19 der Ruhrcharts stehen, noch vor den Donots und Cro. Bei Radio Bochum oder Essen könnt ihr noch für sie voten.

Das gesamte, landesweite Programm findet ihr hier: www.nachtfrequenz.de

nachtfrequenz17 – Nacht der Jugendkultur wird veranstaltet von der LKJ NRW e.V. und gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW.

Das Programm:

Youth In Retrospect

Alternative / Pop Punk

Francis Riley & The Floorboarders

Hardrock

Sprechreiz

Deutsch-Rock

Insert Coins e.V.

Verein zur Förderung der Kultur der analogen elektronischen Unterhaltungsgeräte

Fotocredit: Dominic Scharf

agora

Hip Hop Kollektiv

Dennis Kazakis

Moderation

Florian Stein

Poetry Slam

Fotocredit: Brian Ossowski